Kein Platz für Püppchen (Thematik)


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    Kein Platz für Püppchen

    Immer mehr Frauen dringen in die Männerdomäne Polizei und deren Spezialtrupps vor. Dabei halten sich Beamtinnen oft selbst für ein Risiko.

    Die ruhige Nachtschicht kommt der Kommissarin nicht ungelegen. Nach dem jüngsten Mord an einem Polizisten und den Schüssen auf eine Kollegin sei “die Angst da“. Nun wolle sie eben besonders vorsichtig sein. Sie sei aber “nicht zimperlich“, sagt Sigrid Messe, in einem Männerjob müsse man eben härter im Nehmen sein.
    Gabriele Bögl, 33, gesteht sich die Schwäche ein, mit brutalen Morden und dem Leid der Nahestehenden psychisch oft länger zu kämpfen als Männer. Jeder zehnte deutsche Polizist ist eine Frau, und ihre Zahl steigt steil an. Kaum einen Bereich der ehemaligen Männerbastion haben sie noch nicht erobert. Auch im konservativen Bayern gehen seit 1990 Polizistinnen auf Streife. Bis zu 40 Prozent weibliche Auszubildende verpflichten die Länder in den Dienst. Trotz ihrer wachsenden Zahl sind die
    Beamtinnen längst nicht unumstritten. So grämt sich Hauptkommissar Peter Finke aus dem niedersächsischen Vechta über “von Emanzipation besessene Bürokraten “: Die Neuen nutzen jeden Vorteil, aber wenn’s hart hergeht, bleiben sie außen vor“. An der beruhigenden Wirkung der Ordnungshüterinnen zweifelt der Landpolizist: “Wer gewaltbereit ist und grün sieht, prügelt drauf, auch auf Frauen.“
    Für Klaus Papenfuß, Hauptkommissar im Bundesgrenzschutz (BGS), sind Mitarbeiterinnen dagegen längst kein Übel mehr, sondern Notwendigkeit.
    Eine Studie über den “Stress durch Frauen in der Exekutive“ kam 1994 im Nachbarland Österreich dennoch zum Ergebnis, dass die Mehrzahl der befragten Polizisten zwar “froh“ ist über den Einmarsch der Frauen in ihre Oase, “die Zusammenarbeit mit einem Mann“ aber vorziehen. Hierzulande sieht es nicht viel anders aus.
    Der jungen Polizistin, der vergangene Woche bei einem Ladenüberfall in Baden-Württenberg der Räuber die Pistole entriss und um sich schoss, kam ein Kollege zu Hilfe und brachte den Gewalttäter zur Strecke. Für Reichel sind solche Szenen ein “Politikum“: Der Staat vernachlässige seine “Fürsorgepflicht“, wenn er zu vielen Deutschen des schwachen Geschlechts Schusswaffe und Gummiknüppel in die Hände gebe.
    Dass nicht alle Frauen für den Umgang mit Waffen und Ganoven geeignet sind, steht für Streifenpolizistin Siegrid Messer außer Frage. “Für Friseusen und Masseusen ist hier kein Platz“, sagt sie und berichtet von der Bekannten, die sich per ärztlichem Attest vom Nachtdienst befreien ließ. Den mitunter ruppigen Ton unter den Männern nimmt sie in Kauf. Schließlich sei sie “der Eindringling“ in deren Domäne. Probleme draußen habe sie nicht, nur mit manchem Ausländer, dessen Weltbild es nicht zulasse, einer Uniformierten Rede und Antwort zu stehen. So kommt eine Studie der Gewerkschaft der Polizei zu dem Schluss, dass es bei Polizistinnen in Gewaltkonflikten vereinzelt “zu Nervenzusammenbrüchen kam, so dass eine besondere Betreuung seitens männlicher Gruppenangehöriger erforderlich war“. Weil Frauen wegen “schnellerer Erschöpfung und körperlicher Unterlegenheit Angriffspunkte bei Widerstandshandlungen” seien, empfiehlt die Studie, ihren Anteil auf 25 Prozent zu beschränken. Der Münchener Polizeipsychologe Georg Sieber schlägt sich dagegen auf die Seite der Beamtinnen: “Die Stressstabileren sind die Frauen. Sie reagieren in Krisenlagen ruhiger. Männer sind ängstlicher und greifen schneller zur Waffe.“ Der trotz Unmengen Kaffee und viel Zähigkeit aufreibende Nachtdienst lässt die Jungverheiratete trotzdem zweifeln, ob sie den Stress “bis 40“ durchhalte. Dass das geplante Baby sie nicht von der Straße bringt, ist dennoch klar. Der Ehemann, Polizist im mittleren Dienst, soll Erziehungsurlaub nehmen - keine Frage der Emanzipation, sondern des besseren Einkommens. Die “Heimsuchung “ der Reviere durch zahllose Schwangere im Dienst ist der Alptraum mancher Skeptiker. In den meisten Ländern sind die Erfahrungen mit den weiblichen Nachwuchskräften noch jung und diese gerade erst frisch aus der Ausbildung heraus. Der weitere Vormarsch der Frauen scheint dennoch unaufhaltsam. Bayern beschloss unlängst, künftig auch weibliche Freiwillige in die martialischen Kampfanzüge der Sondereinsatzkommandos schlüpfen zu lassen. Selbst das ,,letzte Macho-Paradies“ des Elitekommandos GSG 9 ist für den Polizeipsychologen Georg Sieber frauentauglich: “In Elitetruppen wie dem israelischen Mossad ist das Geschlechterverhältnis eins zu eins.“ Das “konservative Weltbild“ der patriarchalischen Gesellschaft hierzulande sei einfach die Krux. So prangert Sieber denn auch die “Verherrlichung von Männersportarten“ in der Polizeiausbildung an: “Dass Frauen sich als Kugelstoßerinnen messen müssen, ist doch ein merkwürdiges Ritual.“


    Arbeit on line

    Schauen wir uns mal diverse Stellenangebote auf dem deutschen Arbeitsmarkt an. Gibt es Stellen, wo Frauen eindeutig die besseren Kandidaten sind. Warum?

  • DINO - Stellenangebote einzelner Unternehmen und Institutionen