Jede Gewalt hat auch seelische Folgen (Thematik)


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    Jede Gewalt hat auch seelische Folgen

    Die Düsseldorfer Rechtsmedizinerin Prof. Elizabeth Trube-Becker über die Geschichte häuslicher Gewalt und die Auswirkungen auf die Kinder. Über Jahrhunderte hinweg hatte der Mann das Recht, seine Ehefrau zu prügeln und zu züchtigen, ohne dafür belangt zu werden. Waren Ehefrau und Kinder doch gleichsam Besitz des Mannes. Der englische Ehemann hatte das Recht, bei der Ausübung seiner Macht jeden nur möglichen Gegenstand zu benutzen. Es gab sogar eine Frauenprügelmaschine, um das anstrengende Ausholen mit einem Stock zu vermeiden. An einem Rad waren elastische Gerten angebracht, so daß der Mann nur noch an der Kurbel drehen mußte. Die britischen Ehegesetze wurden deshalb mit dem Sklavengesetz von Kentucky verglichen. In Europa galt das Züchtigungsrecht des Mannes gegenüber seiner Ehefrau bis in das 19. Jahrhundert, in vielen außereuropäischen Ländern gilt es noch heute. Nach wie vor haben Eltern das Züchtigungsrecht gegenüber ihren Kindern. Lassen sie sich dazu hinreißen, es zu überschreiten, werden Kinder mißhandelt und manchmal sogar zu Tode geprügelt. Jede Form von Gewalt hinterläßt Spuren in der Seele eines Kindes, es verliert das Urvertrauen in seine Bezugsperson. In der Gerichtsmedizin habe ich Kinder gesehen, die mit jedem nur erreichbaren Gegenstand geprügelt und geschlagen worden waren. Die körperlichen Spuren entsprachen der Art der Tat: multiple Frakturen, zahlreiche Blutunterlaufungen, Striemen und Narben. Die Ursachen für Gewalttaten sind vielgestaltig. In erster Linie ist es die Unfähigkeit, Aggressionen zu beherrschen, in zweiter die Charakterstruktur des einzelnen. Zu den Faktoren, die dann zur Aggressionsentladung führen, gehören vor allem Partnerschaftsprobleme. Kinder sind dann in Gefahr, statt des an sich gemeinten Partners - gerade nicht »zur Hand« oder viel stärker - zum Opfer zu werden. Mißliche Umstände des täglichen Lebens können dramatische Folgen haben: Streit um Geld, Alkoholkonsum, das Gefühl, in Haushalt und Beruf überfordert zu sein, die Unfähigkeit, Kinder zu erziehen. Gewalt in der Familie hat einen besonders dramatischen Einfluß auf die seelische Entwicklung des Kindes. Beim Kind, das ständig Brutalität in der Familie erlebt, kommt es zu tiefgreifenden Störungen, die das weitere Leben beeinflussen. Wen verwundert es, daß der heranwachsende Sohn, der miterleben muß, wie seine Mutter geschlagen und beschimpft wird, eines Tages selbst beginnt, seine Mutter und später seine Ehefrau zu verprügeln? Kann man Gewalt verhindern? Die Kinder selbst aufzuklären, sie möglichst schon in der Schule vorzubereiten, könnte eine Möglichkeit der Vorsorge sein. Die Schüler müßten immer wieder auf die Verantworung hingewiesen werden, die aus einer sexuellen Verbindung erwächst. Allen muß deutlich gemacht werden, daß Ehe und Gründung einer Familie verantwortungsvolle Aufgaben sind, vor allem aber auch, daß Gewaltanwendung nicht das richtige Mittel ist, Probleme zu lösen. Für fast jeden Beruf ist heutzutage eine langjährige Ausbildung oder Lehre erforderlich. Nur für die Aufgabe, Eltern zu sein, gibt es keine Prüfung.

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