Was das Ding alles kann! (Thematik)


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    Was das Ding alles kann!

    Paula Almquist über die neue Gattung der High-Ender, die sich Geräte kaufen, ohne sie voll nutzen zu können.

    Wenn Karl-Simon auf Geheiß seiner Frau mit dem Hund spazierengeht, kann es schon mal vorkommen, daß er dabei zweihundert Meter joggt. Deswegen braucht Karl-Simon aufpumpbare Sportschuhe, die soviel kosten dürfen wie eine halbe Waschmaschine. Wenn Harald, überzeugter BMW-Fahrer, alle halbe Jahr einmal mit seinen Kindern eine Fahrradtour zur 4,7 Kilometer entfernt wohnenden Oma unternimmt, dann muß es auf einem 21-Gänge-Bike mit Federung sein. Wenn Rüdiger (von Beruf nicht etwa Notarzt oder Aufzugsingenieur, sondern Steueramtmann) abends ausgeht, dann mag er dabei auf keinen Fall auf seine Armbanduhr mit Beeper verzichten. Er könnte ja sonst einen Anruf seiner Doppelkopf-Freunde verpassen.
    Parvenü-Allüren? Protzerei? Nicht doch. Die Herren sind High-Ender, wie die neuste und heißestumworbene Zielgruppe der Wirtschaft heißt.
    High-End ist es, wenn sich Leute, deren wassersportliche Befähigung gerade zum Freischwimmerzeugnis reichte, eine Armbanduhr aufschwatzen lassen, mit der man bis in 500 Meter Tiefe tauchen kann. High-End ist es, wenn sich brave Mieter ein Stereogebirge hinstellen, dessen Dezibel-Zahl sie niemals ausfahren können, weil sie das rein rechtlich nicht dürften und aus der Wohnung flögen.
    Ein High-End-Produkt der technischen Art kann man im allgemeinen schon von weitem erkennen: Es hat mehr Knöpfe und Regler als andere. Es beherrscht laut Gebrauchsanweisung lauter Sachen, die sein Besitzer gar nicht genießen kann, weil er high-endlich viel zu erschöpft ist, um sich zum 99. Mal eine Bedienungsanleitung von 200 Seiten für den ultimativen Videorecorder oder den Taschenrechner mit Handschriftenerkennung reinzuziehen.
    Aber haben muß er das Ding! Er geht schließlich mit der Zeit und möchte den wendigen Verkäufer, der seine High-Ender kennt und psychologisch massiert, nicht enttäuschen: "Warum sollten Sie sich mit dem Zweitbesten zufriedengeben?" Viele deutsche High-Ender sind im Grunde ihrer Seele mißtraurisch und futterneidisch und fürchten immer, irgendwie zu kurz zu kommen. Aber was soll denn Klaus-Jürgen mit seinem neuen Computer, dessen Festplatten-Zugriffszeit von 15 Millisekunden auf 10 Millisekunden abgesenkt wurde? Er selber denkt deswegen ja leider nicht entsprechend schneller. Dies will keine Konsumkritik sein. Aber es gibt halt den kleinen Unterschied zwischen einem bekennenden Luxusmenschen wie Oscar Wilde, der gern sagte, er habe einen einfachen Geschmack: das Beste sei für ihn grad gut genug. Und er sei zu arm, um sich was Billiges leisten zu können.
    Beim High-Ender liegt die Sache anders. Er kauft die Dinge nicht, damit sie ihn bis ans Lebensende reparaturlos begleiten und ästhetische Freude bereiten. Er kauft sich "Optimierung", weil er seinen Technikverstand unter Beweis stellen und demonstrieren will. Seht her, liebe Freunde, das ist das Neuste auf dem Markt des Machbaren, und ich kann es mir leisten.
    Doch im Bekanntenkreis des High-Enders reibt man sich schon vergnügt die Hände: Garantiert wird Sven-Sascha seinen einzig möglichen High-End-Fernseher, für den er vor 14 Monaten noch mehr als das Lehrergehalt seiner duldsamen Frau bezahlte, jetzt privat verschleudern. Weil doch das Nachfolgemodell mit noch mehr Knöpfen her muß!

    Arbeit on line

    Wir machen einen Ausflug ins Volkswagenwerk.Surfen Sie in die Abteilung Modelle und suchen Sie ein geeignetes Modell für einen High-Ender aus! Begründen Sie Ihre Wahl!

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